![]() |
Friedrich II von Preußen | ![]() |
Friedrich II von Preußen (1712-1786)
Deutsche Geschichte für den Deutschunterricht
Fortsetzung von Friedrich Wilhelm I (http://www.vub.ac.be/gst/khnb/itv/oktober/feb/du97-3.htm).
Text und didaktische Ausgestaltung: Dr. Ralph Bisschops
Sein Vater hinterließ ihm ein perfekt gedrilltes Heer. Für Friedrich Wilhelm I waren seine Truppen zu schade, um eingesetzt zu werden. Außerdem war er fromm und hatte Gewissensskrupel. Er wollte nicht das Risiko laufen, eines "ungerechten Krieges" beschuldigt werden zu können.
Unter seinem Sohn brüllten die Kanonen und mussten die Soldaten ausrücken.
Dennoch werden Friedrich II größere Sympathien entgegengebracht als seinem Vater. Grund: Er war ein Dichter, Schriftsteller und Musiker; er liebte die Künste und die Philosophie. An seinem Hof waren die französischen Aufklärer Voltaire und Lamettrie zu Gast. Vor allem dieser Aspekt ist in Erinnerung geblieben. Nicht die Tatsache, dass er auch ein tollkühner Kampfhahn und Haudegen war. Letzteres haben natürlich die Nazis ganz toll gefunden.
Als Knabe schien er eher schöngeistig veranlagt. Er liebte das Flötenspiel, und wollte nicht mit seinem Vater derbe Späße in dessen Tabakskollegium machen. Am Soldatenleben war ihm nicht gelegen, noch weniger an pietistischer Frömmigkeit. Mit seinem Flötenspiel ging er seinem Vater bereits schwer auf die Nerven. Außerdem verschlang er die Bücher der französischen Aufklärer. Das war dem frommen Vater zu viel.
Schließlich fasste Friedrich den Plan zur Flucht. Er hatte sich mit dem englischen Königshaus in Verbindung gesetzt und wollte sich nach London abseilen lassen. Dort würde er eine gewisse Prinzessin namens Amalie heiraten, was ihm wiederum die Chance gäbe, König von Hannover zu werden. Friedrich hat nur eines im Sinn: weg aus Preußen, weg vom Vater.
Die Sache flog auf und Friedrich wurde wegen Desertion verhaftet. Sein Vater wollte, dass das Kriegsgericht über ihn befand. Dieses jedoch appellierte an die Gnade des Königs. Vergeblich. Friedrich verlor das Recht auf die Thronfolge und durfte die Offiziersuniform nicht mehr tragen. Sein bester Freud und Komplize, Leutnant von Katen, wurde vom Kriegsgericht zu lebenslänglicher Festungshaft, vom König aber zum Tode verurteilt. Friedrich musste bei der Hinrichtung dabei sein. Er wurde ohnmächtig.
Danach war er nicht mehr derselbe. Er begann sich für Verwaltung und Militär zu interessieren und strebte nach einer Aussöhnung mit dem Vater.
Als Friedrich II 1740 den Thron bestieg, zeigte er, dass er nicht nur musizieren, sondern auch attackieren konnte. Er marschierte in Schlesien ein, das damals den Habsburgern (Österreich) gehörte. Die ganze feudale Welt fragte sich damals, wer denn dieser kleine Kurfürst sei. Sogar der "Alte Dessauer", Preußens berühmtester General, hielt diesen Einmarsch für einen "Akt der politischen Infamie". Die Skrupel seines Vaters besaß Friedrich nicht. Auch nicht dessen Religiosität. Friedrich verstand sich als Freigeist, wusste aber die evangelische Religion gut zu nutzen, wenn es darauf ankam, den Truppen Mut zu machen und beim Marschieren schöne Liedchen zu singen. "Mein, Gott, welche Kraft hat die Religion", soll er mal ausgerufen haben, als er während einer Schlacht die Truppen im Chor Psalmen singen hörte.
Die Religion kam ihm gelegen, wenn sie nur protestantisch war. Das mächtige Österreich war katholisch. Der Protestantismus war also ein guter Vorwand, um sich von Maria Theresia und vom Heiligen Römischen Reich loszulösen. Auch in der Folgezeit würde Preußen stark an seine protestantische Tradition festhalten. Religion war Staatsräson. Aus diesem Grunde ist in Preußen auch die rechtliche Gleichstellung der Juden erst sehr spät angeordnet worden (1812, endgültig aber erst 1869). Im Habsburgerreich waren bereits 1781 wichtige Schritte in dieser Richtung unternommen worden.
Schlesien erobern war eine Sache, es zu behalten eine andere. Österreich hat wiederholt versucht dieses Gebiet zurück zu erobern, was ihm nicht gelang. Die schlesische Frage führte zum siebenjährigen Krieg (1756-1763), in dem sich eine Allianz aus Österreich, Schweden, Russland und Frankreich dem aufstrebenden Preußen entgegenstellte. England kam zu Hilfe, wurde aber schnell von den Franzosen geschlagen. Friedrich II musste auf allen Fronten kämpfen. Zwei Siege sicherten seinen Ruf als Feldherr: die Schlacht von Rossbach gegen die Franzosen und die von Leuthen gegen die Österreicher. Damals sangen die Preußen in allen Wirtshäusern: "Und wenn der große Friedrich kommt und klopft nur auf die Hosen, so läuft die ganze Reichsarmee, Panduren und Franzosen".
Wien und Paris gaben sich aber nicht geschlagen. Es kam zu einem Erschöpfungskrieg. In Berlin verstummten die Lieder, als russische und österreichische Truppen in die Stadt einmarschierten. Und auch nachdem Berlin von Friedrichs Husaren befreit worden war, gab es noch lange keinen Grund zur Feier. Die Lage der preußischen Truppen wurde immer aussichtsloser. Nur ein "Deus ex machina" konnte Preußen noch retten. Und der kam auch, ausnahmsweise. Die Zarin Elisabeth starb (5. Januar 1762) und ihr Nachfolger Zar Peter III war ein großer Bewunderer von Friedrich II. Er schenkte ihm das von Russland eroberte Ostpreußen zurück. Auf Grund dessen zogen sich auch die anderen Verbündeten aus der Allianz zurück, und der siebenjährige Krieg ging zu Ende.
Am 15. Februar 1763 wurde der Friede von Hubertusburg geschlossen, mit dem im Grunde nur ein Status quo bestätigt wurde. Preußen durfte Schlesien behalten. 500.000 Menschen sind für den Besitz dieser Region geopfert worden.
Auf einen "deus ex machina" hatte später noch ein anderer gehofft, als russische Truppen kurz vor Berlin standen. Er dachte dabei an Friedrich II. Dieses Mal aber kam es anders.
Literatur: Schoeps, Hans-Joachim. 1995. Preußen, Geschichte eines Staates. Frankfurt/Berlin: Ullstein.
Erläuterungen
das Heer: die Armee
fromm: religiös
die Truppen waren ihm zu schade, um eingesetzt zu werden: Er liebte seine Truppen zu sehr.
schöngeistig (der Schöngeist): jemand, der sich lieber mit Literatur, Dichtung und Kunst befasst.
die Aufklärung: Rationalistische und antiautoritäre Bewegung des 17. und 18. Jahrhunderts, in der Toleranz und Universalismus zentrale Werte waren.
tollkühn: ist jemand, der die Gefahr nicht achtet; waghalsig.
der Haudegen: jemand, der im Krieg gerne darauf losschlägt.
derb: vulgär, brutal ('jdn. derb behandeln').
das geht mir auf die Nerven: das macht mich nervös
sich nach ... abseilen lassen: verschwinden
Die Sache flog auf: Die Sache wurde bekannt.
Das Gericht befindet über = urteilt über ('befinden' ist ein gehobener Ausdruck für 'urteilen' bzw. 'entscheiden')
die Aussöhnung: die Versöhnung. Das Verb ist: sich mit jemandem aussöhnen.
der Vorwand: als Ausrede benutzter Grund; Ausflucht
in der Folgezeit: in der darauf folgenden Zeit
die Panduren: die ungarischen Soldaten
der Husar (-en): jemand, der zur leichten Kavallerie gehört
Setzen Sie bitte einen passenden Ausdruck ein
1. Oberst Schulz wurde vom Militärgericht des Landesverrats schuldig b______________ (Das Gericht hat geurteilt, dass er des Verrats schuldig sei).
2. Er wollte nämlich einem gefährlichen Diktator die Pläne der neuesten cruise-missiles weiterspielen. Aber die Sache ist a_____________ (bekannt geworden).
3. In letzter Minute hat er noch versucht, sich nach Puerto Solo _____________________ (nach Puerto Solo zu fliehen).
4. Unter dem V____________, dass er seine kranke Mutter besuchen wollte, hat Herr Schnapsmann das Büro verlassen. In Wirklichkeit ist er in eine Kneipe gezogen.
5. Günter Grass gab sich nach dem Verriss von seinem Wiedervereinigungsroman 'Ein weites Feld' nicht g__________ und arbeitete unbeirrt weiter.
6. Diese Witwe hat nur eines (_______________ = im Kopf), nämlich den Mord an ihrem Mann zu rächen.
7. Der Humor dieses Entertainers ist nicht gerade fein. Ich würde ihn schon eher als d______ bezeichnen.
8. Diese ewigen Krimis im deutschen Fernsehen gehen mir allmählich auf _________________ (machen mich kribblig).
9. Die beiden Rivalen haben sich miteinander a_________________ und zusammen einige Bierchen getrunken.
10. Der Fall der Mauer war ein historisches Ereignis. (__________________ = in der Zeit, die darauf folgte) trat die erwartete kulturelle Neubelebung in Deutschland jedoch nicht ein.
Lösungen